Zusammenfassung


Im Juni 1998 beschloss die schwedische Regierung, die Höga Kusten in Västernorrland für die Kandidatenliste der UNESCO-Welterbe zu nominieren.

Im April 2000 wurde der UNESCO das vervollständigte Ansuchen überreicht. Im Folgenden wird dessen Inhalt zusammengefasst.

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Globale vergleichende Studie - Hinauf


Die Güte der Höga Kusten als Region isostatischer Bodenhebung ist mit ähnlich geprägten Regionen der Erde, sowie der nahegelegenen Quarkenregion verglichen worden. Die ausgeführte vergleichende globale Studie ergibt in der Zusammenfassung folgendes:

  • Die Höga Kusten hat weltweit die größte isostatische Bodenhebung seit der letzten Eiszeit zu verzeichnen. Die relative Bodenhebung erreicht bis 285 Meter über dem heutigen Meeresspiegel. Der Vergleich mit allen Regionen, die Bodenhebung seit der letzten Eiszeit erfahren haben zeigt, dass die einzige vergleichbare Region in der Hudson Bay in Kanada liegt, wo das Niveau bei 272 Meter über NN liegt. Alle übrigen Regionen erreichen ein weitaus geringeres Niveau. In vielen dieser Regionen ist es darüber hinaus schwierig, die isostatische Bodenhebung von tektonischen Hebungen zu unterscheiden.
  • Der Abstand zwischen der höchsten Küstenlinie und der heutigen Küste in der Höga Kusten beträgt auf Grund des hügeligen Geländes nur etwa 2 km, wohingegen er in der Hudson Bay bei ca. 50 km liegt. Die geologische und biologischen Auswirkungen der Bodenhebung sind somit außerordentlich deutlich und konzentriert in der Höga Kusten anzutreffen, wohingegen sie in der Hudson Bay eher verstreut und diffus vorkommen. Die Bodenhebung in der Höga Kusten beträgt heute 8 mm pro Jahr.
  • Die Höga Kusten ist ein hervorragendes Beispiel für das Studium und Verständnis von jenen wichtigen Prozessen, welche die vergletscherten und isostatisch gehobenen Teile der Erdoberfläche geformt haben und welche entscheidende Bedeutung für die Erklärung folgender Sachverhalte haben:
    - die Verteilung verschiedener Vegetationstypen unter- und oberhalb der höchsten Küstenlinie
    - die Bedingungen für die menschliche Besiedlung
    - die heutige Verteilung zwischen landwirtschaftlicher Anbaufläche und Waldfläche in der Landschaft
    Die Höga Kusten ist in einer Klimazone gelegen, die ein wesentlich breiteres Spektrum dieser Verhältnisse enthält als die in einer Region mit Permafrost liegende Hudson Bay.
  • Die langwierigen wissenschaftlichen Studien der Höga Kusten machen diese in höherem Grade als die Hudson Bay zu einem global bedeutungsvollen Schlüsselgebiet für die Interpretation von sowohl geologischen als auch biologischen und kulturhistorischen Effekten der großen Inlandeise und der Bodenhebung.

Die Höga Kusten im Verhältnis zum Quarken - Hinauf

Quarken ist die Bezeichnung für den schmalsten Teil der Ostsee zwischen Schweden und Finnland. Er besteht aus Schären hin zum Festland beider Länder und einer Bodenschwelle von höchstens 25 Metern Wassertiefe. Sein südlichster Teil auf der schwedischen Seite liegt in etwa 30 km nördlich der Höga Kusten.
Die Oberflächenform des Quarken ist völlig dominiert von Moränenbildungen, die eine flachen Landschaft formen.
Zusammenfassend lässt sich der Unterschied zwischen Hoher Küste und dem Quarken wie folgt beschreiben:

  • Die Höga Kusten weist eine ca. 9600 Jahre lange geologische Geschichte an Land auf, der vergleichbare Zeitraum im Quarken beträgt nur ca. 2000 Jahre.
  • Die flachen Schären, die Wasserflächen und der Meeresboden des Quarken repräsentieren einen völlig anderen Landschaftstyp als der bergige Festlandsteil, die hohen Inseln und tiefen Buchten und Meerengen der Höga Kusten.
  • Die wichtigsten Besonderheiten der Höga Kusten sind deren geologische Geschichte und die geologischen Erscheinungen, wohingegen die Besonderheiten des Quarken eher an die Ostsee und deren marines Milieu als Brackwassermeer, und der Bildung von Ökosystemen im Zusammenhang mit der isostatischen Bodenhebung, geknüpft sind. Diese Besonderheiten finden sich ebenfalls in der Region der Höga Kusten.

Integrität, Verwaltungsplan - Hinauf

Eine effektive Anwendung der schwedischen Gesetzeslage reicht für die Bewahrung der Integrität der an bestehende Nationalparke und andere besonders geschützte Gebiete angrenzenden Region aus. Für Naturobjekte auf der Liste des Welterbes besteht die Notwendigkeit der Erstellung eines speziellen Verwaltungsplan, in welchem Pflege und Verwaltung garantiert werden. Die Arbeit mit der Erstellung eines Verwaltungsplans wurde begonnen. In dem Plan ist darzulegen, wie die Region langfristig verwaltet wird. Des weiteren wurde ein Verwaltungskomitee gegründet, bestehend aus Repräsentanten der Regionalverwaltung, der Gemeinden Örnsköldsviks und Kramfors und der Forstverwaltung. Ein eröffnendes Treffen des Verwaltungs- Komitees hat stattgefunden.
Der Plan zielt vor allem auf die Pflege der für die Nominierung zum Welterbe zugrundeliegenden Besonderheiten ab. Dies bezieht sich auf:

  • Geologische und biologische Erscheinungen im Zusammenhang mit der Bodenhebung
  • Das marine Milieu
  • Die Naturschönheit der Landschaft

Des weiteren wird die Rolle der Gesetzgebung zur Bewahrung der Besonderheit der Region, verglichen mit dem Zustand während der Nominierung, weiter präzisiert, u.a. auf Grund von neuen und schärferen Umweltgesetzen, welche 1999 in Schweden erlassen wurden.

Der marine Teil - Hinauf

Der Anteil der marinen Fläche des Gebietes der Höga Kusten an der Gesamtfläche beträgt 56 %. Der Grund für die Einbeziehung der Wasserfläche ist in der ursprünglichen Nominierung der Höga Kusten dadurch motiviert, dass die hügelige Landschaft und die speziellen geologischen Phänomene sich ins Meer hinaus fortsetzen. Strandsäume tauchen auf, neue Insel werden geboren und Inseln werden zu Halbinseln, wenn sie mit dem Festland vereint werden. Die marine Fläche ist damit ein wichtiger Teil der Ganzheit der Höga Kusten und wesentliche Komponente für das Verständnis der historischen und der gegenwärtigen geologischen Prozesse. Die etwa 70 Inseln der Meeresfläche tragen außerdem zur Gesamtschönheit der Landschaft und deren besonderen Reiz bei.


Der große Anteil mariner Fläche lässt sich auch aus biologischer Hinsicht begründen.

  • Der marine Teil der Höga Kusten weist als Teil des weltweit einzigartigem Brackwassermeeres, der Ostsee, einmalige biologische Verhältnisseauf. Vergleichbare marine Biotope sind derzeit nicht in den als Welterbe nominierten Gebieten vertreten.
  • Die Ostsee durchlief mit Übergängen von marinen Systemen zu Süßwasser und Brackwasser dramatische Veränderungen in Anschluss an die letzte Eiszeit. Unter den letzten 7000 Jahren war das Ökosystem bedeutend stabiler. Die etablierten Systeme setzen sich aus einer sehr speziellen und wissenschaftlich interessanten Mischung von marinen Arten und Süß- und Brackwasserarten zusammen.
  • Recht viele Arten der Ostsee sind marine Relikte aus vorherigen Perioden, als die Ostsee mit dem Atlantik verbunden war. Ein Teil dieser Reliktarten findet sich sogar noch in Seen, welche aufgrund der Bodenhebung vom Meer isoliert sind. Die Auswirkungen der Bodenhebung spiegeln sich also auch im marinen Leben und in den Seen der Höga Kusten wider.
  • Die spezielle Topographie der Höga Kusten führt dazu, dass es innerhalb eines begrenzten Gebietes verschiedene Typen von Meeresökosystemen gibt: flache Meeresbuchten, offene Buchten und große Wassertiefen. Das Wasser ist außerdem verhältnismäßig rein. Die Kombination von naturgeographischen Zügen der Ostsee und der Höga Kusten im Besonderen beinhaltet, global betrachtet, einmalige Voraussetzungen für das marine Leben.

Weiter ist zu erwähnen, dass der marine Teil der Höga Kusten als eines von 15 schwedischen Gebieten, die in ein Projekt zur Bewertung wertvoller Meeresgebiete in den nordischen Ländern eingingen, besondere Aufmerksamkeit erfährt. Das Projekt wurde von Naturschutzgruppen unter Führung des nordischen Komitees für Umweltfragen geleitet. Ein Abschlussbericht wurde 1996 vorgelegt. (Tema Nord 1996:546). Das Gebiet ist weiterhin Teil von HELCOM`s Liste über wertvolle marine Gebiete der Ostsee. Der Bedarf an besonderen über den bestehenden Schutz durch die generelle Gesetzgebung hinausgehenden Schutzmaßnahmen wird durch die Provinzialregierung Västernorrland geprüft.

Kulturelle Werte - Hinauf

Der kulturhistorische Wert der Höga Kusten und ihre Möglichkeit, als Kulturlandschaft nominiert zu werden, wurden im Zusammenhang mit der Nominierung zum Welterbe untersucht. Die verantwortlichen Behörden beurteilten den Wert des Gebietes in Bezug auf die kulturhistorische Entwicklung als sehr hoch, doch vorrangig auf nationalem Niveau. Dieser Frage wurde weiter nachgegangen, wie sich im Folgenden zeigt.

  • Kulturlandschaften mit vorhistorischen Wüstungen in der Landschaft sind in Skandinavien allgemein verbreitet. Die Kombination aus der weltweit höchsten isostatischen Bodenhebung und der Kulturlandschaft, in welcher sich die Auswirkungen der Bodenhebung widerspiegeln, macht die Höga Kusten als Kulturlandschaft besonders interessant. Dass die höchste Küstenlinie nur etwa 2-3 km von der heutigen Strandlinie entfernt ist, trägt dazu bei, dass gut erhaltene strandnahe Wüstungen aus kontinuierlicher menschlicher Tätigkeit der letzten 7000 Jahre in dieser begrenzten Umgebung zu finden sind. Die Dichte der Wüstungen in diesem Gebiet ist besonders auffallend.
  • Die Kenntnis von Spuren menschlicher Aktivitäten in vergleichbaren Regionen ist äußerst lückenhaft. Die Analyse und Bewertung auf Basis des heutigen Forschungsstandes ist, dass die Höga Kusten nicht die Kriterien für eine Kulturlandschaft, im Sinne der Welterbekonvention erfüllt. Zukünftige Forschung kann dieses Bild verändern.
  • In der Kulturlandschaft werden die Auswirkungen der Bodenhebung deutlich und die Beschreibung der Kulturlandschaft fungiert somit als eine wichtige Ergänzung zu den geologischen und biologischen Beschreibungen aus den Nominierungsunterlagen der Höga Kusten zum Welterbe.

Ästhetische Werte der Landschaft - Hinauf

Die Höga Kusten ist das einzige bergige Gebiet an der Ostsee. Die Inseln und der küstennahe Bereich haben einen wilden Charakter und sind hauptsächlich unbesiedelt. Selbst das Inland ist dünn besiedelt, bis auf die Täler mit ihren fruchtbaren Sedimentböden, welche Landwirtschaft ermöglichen. Der ästhetische Wert der Region ist bekannt und lockt viele Besucher, national und international. Die einmaligen geologischen Phänomene tragen weiter zur Anziehungskraft der Region bei.

Biologische Werte an Land - Hinauf

Die Höga Kusten weist eine Reihe bemerkenswerter und interessanter Erscheinungen in ihrer Vegetation auf, die ganz oder teilweise von der Bodenhebung abhängen.

  • Die Sortierung und Verteilung von Bodenarten in der Landschaft, die im Zusammenhang mit der Hebung aus dem Meer stattgefunden hat, wird in der Höga Kusten extrem deutlich. Folgendermaßen findet man eine breite Palette von Waldgesellschaften, von den ärmsten bis zu den reichsten, die in einem stark begrenzten Gebiet konzentriert sind. Von den reicheren Waldgesellschaften finden sich gleichwertige Bestände erst wieder im südlichsten Schweden und in Mitteleuropa. Der Grund hierfür ist teils das günstige Lokalklima der Täler, teils die Sortierung der Bodenarten im Zuge der Bodenhebung und der Einschlag von nährstoffreichem Schill, d.h.Kalkschalenfragmenten von Krustentieren, welche aus dem Meer verfrachtet wurden.
  • Weiterhin sind die Vorkommen von Waldgesellschaften auf Moränen oberhalb der höchsten Küstenlinie bemerkenswert. Waldgesellschaften dieser Art, welche ansonsten in großer Ausstreckung oberhalb der höchsten Küstenlinie weit im Inland vorkommen,finden sich in der Höga Kusten als isolierte Außenposten nahe am Meer.
  • Die Region der Höga Kusten beheimatet auch eine bemerkenswerte mannigfaltige Flora, die direkt mit den Bodenhebungsprozessen verbunden ist. Beispiele für dies sind Arten auf Kalkstandorten, felsigen Strandzonen, Reliktarten an Seen und Sümpfen, die vom Meer abgetrennt wurden und Strandwaldgürtel mit bodenhebungsbedingter Alterszonierung.
  • Auf Grund von topographischen, geologischen und klimatologischen Bedingungen ist die Höga Kusten ein vegetationsgeographisches Grenzgebiet mit einer seltsamen Mischung von südlichen Arten mit nördlichen borealen Arten, westlichen ozeanischen Arten und auch östlichen kontinentalen Arten.
  • Die Höga Kusten ist außerdem ein bemerkenswerter Treffpunkt für südliche und alpine Reliktarten aus wärmeren beziehungsweise kälteren Klimaperioden. Die südlichen Arten haben ihr Ausbreitungsgebiet an Südhängen, die alpinen an den schattigen Nordhängen.

Umweltlabelling der Höga Kusten - Hinauf

Ein Teil der Bemühungen um die Natur der Höga Kusten gilt der Vorbereitung auf die erwartete Steigerung der touristischen Nutzung. Aus diesem Grunde ist ein Projekt zum Umweltlabelling der gesamten Region und der in ihr tätigen Unternehmen in Gange. Das Projekt wurde 1999 ins Leben gerufen und wird zum Teil von der EU finanziert. Das Ziel ist:

  • die Stärkung des Tourismus und der Region als Ganzesdurch die Hervorhebung und Bewahrung der Umwelt- und Naturwerte im Zusammenhang mit der touristischen Nutzung.
  • die Ausstellung von Zertifikaten für Unternehmen, die an Umweltschulungen teilnehmen, Umweltstrategien entwickeln und hohe Umweltschutzkriterien erfüllen